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Vom Moodboard zum Raum: So entsteht ein stimmiges Interior-Konzept

· 10 Min. Lesezeit · von Nora-Aileen Koch

Vom Moodboard zum Raum: So entsteht ein stimmiges Interior-Konzept

Vom Moodboard zum Raum: So entsteht ein stimmiges Interior-Konzept

Wenn man einen fertig eingerichteten Raum sieht, wirkt vieles selbstverständlich.

Das Sofa steht genau dort, wo es hingehört. Die Farben funktionieren miteinander. Materialien wiederholen sich. Der Raum wirkt voll, aber nicht überladen. Unterschiedliche Möbel passen zusammen, obwohl sie nicht aus derselben Serie stammen.

Was man meistens nicht sieht, ist der Prozess davor.

Denn ein stimmiger Raum entsteht für uns nicht dadurch, dass wir nacheinander schöne Möbel auswählen.

Wir beginnen nicht bei einzelnen Produkten. Wir entwickeln einen Raum Schritt für Schritt. Genau diesen Prozess habe ich vor Kurzem für ein besonderes Projekt noch einmal sehr bewusst durchgespielt: die Gestaltung eines Wohnbereichs bei Neptune in Fellbach.

Und weil sich daran sehr gut zeigen lässt, wie wir grundsätzlich bei Studio Olivia Interior arbeiten, möchte ich euch heute mit hinter die Kulissen nehmen.

Vom Moodboard zum Raum: So entsteht ein stimmiges Interior-Konzept

Ein wichtiger Unterschied zu unseren Kundenprojekten

Bevor wir starten, muss ich allerdings einen Unterschied erklären.

Bei einem klassischen Interior-Design-Projekt kennen wir den Raum sehr genau. Wir haben Maße, Fotos, Anforderungen, bestehende Möbel und natürlich die Wünsche unserer Kundinnen und Kunden.

Darauf aufbauend können wir anschließend sehr gezielt planen und konkrete Produkte auswählen.

Bei diesem Projekt war die Ausgangslage etwas anders.

Ich wusste zwar, welchen Bereich im Neptune Store wir gestalten würden und welche Atmosphäre entstehen sollte, aber nicht im Detail, welche Möbel, Accessoires und Textilien vor Ort verfügbar sein würden.

Deshalb konnte ich die Produktauswahl vorab nicht so konkret vorbereiten wie in einem normalen Kundenprojekt.

Trotzdem begann auch dieses Konzept genau dort, wo unsere Projekte normalerweise beginnen: Nicht bei einem Sofa. Sondern bei einer Richtung.

1. Inspiration sammeln: Noch keine Produkte, sondern eine Idee

Am Anfang eines Projekts sammeln wir Bilder. Und dabei geht es zunächst nicht darum, einzelne Räume zu kopieren. Uns interessieren vielmehr die Gemeinsamkeiten zwischen den Bildern:

Welche Räume sprechen uns an?

Welche Farben wiederholen sich?

Welche Materialien tauchen immer wieder auf?

Welche Formen erkennen wir?

Und vor allem:

Welche Atmosphäre verbindet all diese Bilder miteinander?

Genau diese Fragen standen auch am Anfang des Neptune-Konzepts.

Vom Moodboard zum Raum: So entsteht ein stimmiges Interior-Konzept

Bei meiner Auswahl wurde relativ schnell eine bestimmte Richtung sichtbar.

Warme, natürliche Farbtöne.

  • Olivgrün

  • Tabak und Rost

  • Braun

  • Creme

Dazu weiße oder sehr helle Bücherregale, Korbmaterialien, Streifen, kleinere Muster, Leinen und Bouclé.

Nicht jedes Bild enthielt jedes dieser Elemente.

Aber wenn etwas immer wieder auftaucht, ist das meistens kein Zufall.

Genau deshalb ist ein Inspirationsboard so wertvoll: Es macht sichtbar, welche gestalterischen Entscheidungen wir intuitiv immer wieder treffen.

In meinem Board tauchten zum Beispiel helle Bücherregale mehrfach auf. Ebenso Korbmaterialien, Streifen und gemusterte Textilien sowie Kombinationen aus Leinen und stärker strukturierten Stoffen.

Vom Moodboard zum Raum: So entsteht ein stimmiges Interior-Konzept

Und aus diesen Wiederholungen entsteht langsam eine Designsprache.

Ein Moodboard ist keine Einkaufsliste

Das ist vielleicht einer der wichtigsten Unterschiede.

Ein Moodboard sagt nicht:

Dieses Sofa müssen wir kaufen.

Es sagt:

So soll sich der Raum anfühlen.

Es definiert eine Richtung. Welche Farbwelt wollen wir? Wie viel Kontrast soll entstehen? Wie klassisch oder modern darf der Raum sein? Welche Materialien sollen sich wiederholen? Wie ruhig oder wie lebendig darf das Ergebnis werden?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird aus vielen schönen Einzelideen ein Konzept.

Für den Wohnbereich entwickelte sich daraus ein Inspiration Board mit einer Kombination aus Leinen, Bouclé, Korb, Holz, mehreren Ebenen von Licht und einer warmen Palette aus Olive, Braun, Rost und neutralen Tönen. Ein großer Sisalteppich sollte den Bereich zusammenfassen und mit einem Vintage-Teppich kombiniert werden.

Vom Moodboard zum Raum: So entsteht ein stimmiges Interior-Konzept

Das ist für mich der Moment, an dem aus einer Sammlung von Bildern eine konkrete gestalterische Richtung wird.

Aber auch dann kaufen wir noch nichts.

Denn bevor wir wissen, welche Möbel wir benötigen, müssen wir zunächst wissen, was der Raum überhaupt leisten muss.

2. Erst den Raum lösen. Dann einrichten.

Das ist einer unserer wichtigsten Grundsätze.

Bevor wir konkrete Möbel auswählen, beschäftigen wir uns mit dem Grundriss.

Denn ein wunderschönes Sofa hilft uns nicht weiter, wenn anschließend kein sinnvoller Laufweg mehr durch den Raum führt.

Bei der Raumplanung stellen wir deshalb zunächst sehr funktionale Fragen:

  • Wie bewegen wir uns durch den Raum?

  • Wo entstehen Engstellen?

  • Welche Blickachsen möchten wir schaffen?

  • Wie soll der Raum genutzt werden?

Vom Moodboard zum Raum: So entsteht ein stimmiges Interior-Konzept

Gerade im Wohnzimmer geht es dabei nicht nur darum, möglichst viele Möbel unterzubringen.

Ein gutes Wohnzimmer muss unterschiedliche Funktionen miteinander verbinden.

Man möchte sitzen, sich unterhalten, vielleicht lesen, etwas abstellen können, Stauraum haben.

Und gleichzeitig sollte man sich selbstverständlich durch den Raum bewegen können.

Für unseren Entwurf bedeutete das unter anderem:

  • Sitzplätze sollten sich zueinander orientieren.

  • Laufwege mussten frei bleiben.

  • Stauraum sollte von Anfang an mitgedacht werden.

  • Abstellflächen sollten dort entstehen, wo sie tatsächlich gebraucht werden.

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Warum ich sogenannte „Conversation Areas“ so wichtig finde

Ein Fehler, den ich in Wohnzimmern sehr häufig sehe:

Alle Möbel schauen in dieselbe Richtung. Meistens zum Fernseher.

Natürlich darf ein Fernseher Teil eines Wohnzimmers sein. Aber der gesamte Raum sollte sich nicht ausschließlich danach ausrichten.

Wir versuchen deshalb häufig, eine kleine Conversation Area zu schaffen.

Das bedeutet zum Beispiel:

Ein Sofa wird mit einem gegenüberliegenden oder leicht angewinkelten Sessel kombiniert. Dadurch entsteht eine Beziehung zwischen den Sitzmöbeln. Der Raum wirkt weniger wie eine Reihe von Möbeln und mehr wie ein tatsächlicher Aufenthaltsort.

Auch im Neptune-Konzept war deshalb ein zusätzlicher Sessel Teil der geplanten Möblierung.

3. Jetzt dürfen Möbel ins Spiel kommen

Erst wenn Richtung und Layout definiert sind, beginnen wir mit der konkreten Produktauswahl.

Und selbst dann lautet die Frage nicht einfach:

„Gefällt mir dieses Möbelstück?“

Sondern:

„Welche Aufgabe erfüllt dieses Möbelstück in genau diesem Raum?“

Das ist ein kleiner Unterschied mit ziemlich großen Konsequenzen. Denn natürlich kann ein Sessel wunderschön sein. Aber ist er in den richtigen Proportionen? Brauchen wir an dieser Stelle überhaupt einen Sessel? Ist er visuell zu schwer? Fehlt vielleicht eigentlich ein Element mit Höhe? Oder brauchen wir hier vielmehr eine Abstellfläche?

Ein gutes Interior-Konzept besteht deshalb nicht aus möglichst vielen schönen Einzelprodukten.

Jedes Stück bekommt eine Aufgabe.

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Drei Dinge, die wir vor jeder Produktauswahl prüfen

Bevor ein Möbelstück Teil unseres Konzepts wird, prüfen wir im Grunde immer drei Punkte:

Funktion. Größe. Designrichtung.

Funktion bedeutet:

Was brauchen wir an dieser Stelle?

Größe bedeutet:

Welche Maße und Proportionen funktionieren im Raum?

Und Designrichtung bedeutet:

Unterstützt dieses Möbelstück die Gesamtidee, die wir zu Beginn entwickelt haben?

Denn genau hier schließt sich der Kreis zum Moodboard. Die Inspiration vom Anfang ist nicht vergessen. Sie wird jetzt zum Filter.

Bei Neptune musste dieser Schritt flexibler bleiben

Und genau an diesem Punkt unterschied sich dieses Projekt etwas von unserer normalen Arbeit.

Für einen Kunden würden wir an dieser Stelle bereits sehr konkrete Produkte auswählen und anschließend im Raum überprüfen.

Bei Neptune kannte ich das vollständige Sortiment im Store vorher nicht.

Ich wusste also:

  • Wir brauchen beispielsweise eine Couch mit einer eher hellen, weichen Wirkung.

  • Wir brauchen einen Sessel, der eine andere Form und Textur hineinbringt.

  • Wir brauchen ein Bücherregal.

  • Wir brauchen unterschiedliche Lichtquellen.

  • Wir benötigen Tische, Korbelemente und Accessoires.

Aber welches konkrete Stück diese Funktion übernehmen würde, musste sich erst vor Ort entscheiden.

Das Konzept definierte also die Regeln. Die tatsächliche Kuration folgte anschließend innerhalb dieser Regeln. Und genau deshalb ist diese Vorgehensweise auch ein schönes Beispiel dafür, warum ein gutes Konzept so wichtig ist. Wenn die Richtung klar ist, muss man nicht jedes einzelne Produkt vorher kennen. Man weiß trotzdem, wonach man sucht.

Moodboard, Grundriss und Produktauswahl gehören zusammen

Eigentlich sind diese drei Schritte kaum voneinander zu trennen.

Das Moodboard beantwortet:

Wie soll sich der Raum anfühlen?

Der Grundriss beantwortet:

Wie muss der Raum funktionieren?

Und die Produktauswahl beantwortet:

Welche konkreten Elemente bringen beides zusammen?

Genau daraus entsteht am Ende ein stimmiges Einrichtungskonzept.

Und erst danach kommen die Ebenen hinzu, die einen Raum wirklich lebendig machen:

  • Materialien

  • Texturen

  • Licht

  • Styling

  • Kunst

  • Bücher

  • Natur

  • Persönliche Dinge

Denn ein Raum ist für uns nicht fertig, nur weil alle großen Möbel darin stehen.

Warum ich trotzdem nie alles passend kaufen würde

Ein weiterer Gedanke zieht sich durch unsere gesamte Arbeit:

Ein roter Faden entsteht durch Wiederholung. Nicht durch Gleichheit.

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Das heißt:

Wir möchten durchaus, dass Farben, Materialien oder Hölzer an mehreren Stellen im Raum wieder auftauchen. Aber nicht in exakt derselben Form.

Wenn beispielsweise ein warmer Braunton im Holz vorkommt, darf er später in einem Stoff wieder auftauchen. Ein Korbmaterial kann an einer anderen Stelle noch einmal aufgegriffen werden. Ein Streifen kann sich über ein Kissen wiederholen. So entsteht Verbindung. Ohne dass der Raum aussieht, als hätte man eine komplette Möbelserie bestellt.

Und genau diese Mischung ist ein wichtiger Teil unserer Studio Olivia Handschrift.

  • Klassische Elemente

  • Modern interpretiert

  • Warm

  • Layered

  • Und immer ein bisschen collected

Ein guter Raum beginnt nicht im Möbelhaus

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus diesem gesamten Prozess. Viele Menschen starten beim Einrichten mit Produkten. Sie sehen ein schönes Sofa und kaufen es. Danach kommt ein Teppich. Dann ein Couchtisch. Dann fehlt irgendwo eine Leuchte. Irgendwann stehen viele schöne Dinge in einem Raum.

Aber sie erzählen nicht unbedingt dieselbe Geschichte.

Ich würde deshalb immer andersherum beginnen:

Erst die Idee, dann der Raum, dann die Funktionen, dann die Produkte und danach die Details.

Genau deshalb beginnt unser Studio-Olivia-Prozess nicht mit Shopping, sondern mit einem Konzept. Der gesamte Ablauf reicht von Inspiration und Moodboard über Raum und Layout sowie Produktauswahl bis hin zu Material, Licht und saisonalem Styling.

Vom Moodboard zum Raum: So entsteht ein stimmiges Interior-Konzept
Und dann ging es zu Neptune

Bis zu diesem Punkt existierte unser Wohnbereich also vor allem als Idee. Wir hatten eine Atmosphäre und eine Farbwelt, Materialien, einen Grundriss und Funktionen.

Und eine Vorstellung davon, welche Arten von Möbeln und Accessoires wir benötigen würden. Was noch fehlte, waren die konkreten Stücke. Und genau dafür ging es im nächsten Schritt in den Store. Dort begann der Teil, den ich persönlich besonders liebe: Aus einem Konzept einen echten Raum zu machen.

Welche Möbel wir schließlich ausgewählt haben, was wir vor Ort verändert haben und warum manche Entscheidungen ganz anders ausfielen als ursprünglich gedacht, zeige ich euch im nächsten Teil des Studio Olivia Edit.

Wie läuft eine Interior-Design-Planung ab?

Bei Studio Olivia Interior beginnt die Raumplanung mit der Definition einer gestalterischen Richtung und einem Moodboard. Anschließend werden Grundriss, Funktionen, Laufwege und Proportionen geplant. Erst danach folgt die konkrete Auswahl von Möbeln, Beleuchtung, Materialien und Textilien. So entsteht ein ganzheitliches Einrichtungskonzept, statt einzelne Möbel unabhängig voneinander auszuwählen.

Was gehört in ein Interior-Moodboard?

Ein Interior-Moodboard kann Inspirationsbilder, Farben, Materialien, Stoffe, Formen, Möbeltypen und architektonische Elemente enthalten. Entscheidend ist weniger das einzelne Bild als die wiederkehrenden Gemeinsamkeiten, aus denen eine klare Designrichtung entsteht.

Warum sollte der Grundriss vor dem Möbelkauf geplant werden?

Ein Grundriss zeigt, welche Möbelgrößen tatsächlich funktionieren, wo Laufwege entstehen und wie Sitzbereiche, Stauraum und Blickachsen organisiert werden können. Dadurch lassen sich Fehlkäufe vermeiden und Möbel gezielter auswählen.

Zuerst erschienen im Studio Olivia Journal auf Substack. Original ansehen